Lange Zeit dachte ich, dass erfolgreiche Menschen einfach motivierter sind als ich.
Wenn ich nach der Arbeit müde war, das Wetter schlecht war oder ich schlecht geschlafen hatte, fand ich fast immer einen Grund, warum heute nicht der richtige Tag für Sport, Bewegung oder andere Vorhaben war.
Ich wartete darauf, dass die Motivation schon kommen würde. Auf den Moment, in dem ich endlich richtig Lust hätte.
Das Problem war nur: Dieser Moment kam erstaunlich selten und ich vermute Mal, dass ich nicht der einzige bin, dem es so geht.
Eine einfache Erkenntnis hat für mich vieles verändert.
Ich dachte, zuerst kommt die Motivation
Früher war meine Vorstellung ungefähr so:
Motivation → Handlung → Erfolg
Also zuerst Lust haben, dann handeln. Es gibt unzählige Motivationstrainer und Ratgeber, die erklären, wie man motiviert durch den Tag geht und seine Ziele erreicht.
Bei mir funktionierte das jedoch oft nicht so, wie es in vielen Büchern oder Vorträgen beschrieben wird.
Ich verschob das Training auf morgen.
Oder auf nächste Woche.
Oder auf den Zeitpunkt, an dem ich endlich wieder motiviert sein würde.
Rückblickend war das einer meiner grössten Denkfehler.
Die Erkenntnis, die alles verändert hat
Irgendwann erzählte mir jemand etwas, das mir bis heute geblieben ist.
Sinngemäss sagte sie:
„Ich gehe einfach einmal hin und wenn ich dort bin, kann ich immer noch entscheiden, wieder nach Hause zu gehen.“
Dieser Satz klingt unscheinbar.
Für mich war er jedoch ein Wendepunkt.
Denn plötzlich musste ich nicht mehr entscheiden, ob ich ein ganzes Training absolvieren wollte oder nicht.
Ich musste nur die Sportschuhe anziehen und einmal unvoreingenommen das Haus verlassen und mich zum Zielort bewegen.
Ich beschloss, es auszuprobieren
Ohne grosse Erwartungen nahm ich diesen Satz damals zur Kenntnis.
Trotzdem blieb er mir über lange Zeit im Kopf.
Irgendwann ergab sich die Gelegenheit, ihn selbst auszuprobieren.
Es war einer dieser Tage, an denen einfach alles zusammenkam. Die Arbeit war intensiv, es gab viele Herausforderungen und ich wusste bereits am Morgen, dass am Abend noch ein Training auf dem Programm stand.
Mit jeder Stunde sank meine Motivation mehr.
Je näher der Feierabend rückte, desto müder fühlte ich mich. Irgendwann war ich überzeugt, dass das Training heute ausfallen würde.
Als ich nach Hause kam, erinnerte ich mich plötzlich an diesen Satz:
„Beginne einfach. Aufhören kannst du danach immer noch.“
Also zog ich meine Trainingskleider an und begann, ohne lange darüber nachzudenken.
Und genau dort passierte etwas Interessantes.
Die grosse Überwindung, die ich den ganzen Tag gespürt hatte, war plötzlich verschwunden.
Nach den ersten Minuten stellte sich sogar das Gegenteil ein. Ich freute mich darüber, dass ich es geschafft hatte anzufangen. Kurz darauf machte mir das Training selbst Spass und ich zog es beinahe mühelos durch.
Als ich später nach Hause kam, erlebte ich nochmals ein Hochgefühl.
Nicht nur wegen des Trainings an sich.
Sondern weil ich mir selbst bewiesen hatte, dass meine Motivation mich den ganzen Tag angelogen hatte.
Was dann meistens passiert
Erstaunlicherweise passierte fast immer dasselbe.
Sobald ich unterwegs war, verschwand ein grosser Teil des Widerstands.
Wenn ich im Fitnessstudio angekommen war, trainierte ich.
Wenn ich die Laufschuhe angezogen hatte, ging ich laufen.
Wenn ich mit einer Aufgabe begonnen hatte, arbeitete ich daran weiter.
Die Motivation kam oft erst nach den ersten Minuten.
Nicht davor.
Genau das hatte ich jahrelang falsch verstanden.
Warum unser Gehirn uns austrickst
Unser Gehirn versucht Energie zu sparen.
Das war früher sinnvoll, als Energie knapp war. Heute führt es oft dazu, dass wir wichtige Dinge aufschieben.
Darum sucht es nach Gründen, warum heute nicht der ideale Zeitpunkt ist.
Zu müde.
Zu kalt.
Zu heiss.
Zu viel Stress.
Zu wenig Zeit.
Das Problem ist, dass diese Gründe fast jeden Tag existieren.
Wer auf perfekte Bedingungen wartet, wartet oft sehr lange.
Was ich heute anders mache
Heute frage ich mich nicht mehr: „Habe ich Lust?“
Sondern: „Bin ich bereit, einfach anzufangen?“
Das nimmt mir enorm viel Druck weg.
Ich muss nicht entscheiden, ob ich heute eine Stunde trainieren werde.
Ich entscheide nur, ob ich jetzt den ersten Schritt mache.
Der Rest ergibt sich oft von selbst.
Gerade beim Krafttraining habe ich festgestellt, dass Motivation selten der entscheidende Faktor ist.
→ Mehr zum Thema Kraft und Muskulatur
Mein Fazit heute
Die grösste Veränderung entstand bei mir nicht durch mehr Motivation.
Sie entstand, als ich aufgehört habe, auf Motivation zu warten.
Ich habe gelernt, dass Motivation oft nicht der Auslöser von Handlung ist.
Sondern die Folge davon.
Viele meiner besten Trainings, Projekte und Entscheidungen begannen an Tagen, an denen ich eigentlich keine Lust hatte.
Rückblickend waren es oft genau diese Tage, die den grössten Unterschied gemacht haben.
Der entscheidende Unterschied war nicht Motivation.
Der entscheidende Unterschied war, dass ich trotzdem angefangen habe.
Wer regelmässig ins Handeln kommt, profitiert oft auch von mehr Energie im Alltag. Mehr dazu findest du hier:
