Hingabe statt Disziplin? Dieser Gedanke beschäftigt mich seit einigen Wochen. Lange war ich überzeugt, dass Disziplin der Schlüssel zu guten Gewohnheiten ist. Doch inzwischen frage ich mich, ob das wirklich die ganze Wahrheit ist.
In meinen Beiträgen «Warum ich aufgehört habe, auf Motivation zu warten» und «Die 5 Minuten Regel, die mein Leben verändert hat» habe ich beschrieben, warum ich heute nicht mehr darauf warte, bis ich Lust auf Sport oder andere Aufgaben habe. Ich beginne einfach. Ohne lange nachzudenken. Genau diese beiden Erkenntnisse helfen mir bis heute. Doch in den letzten Wochen ist mir jedoch noch etwas aufgefallen.
Früher dachte ich, das Training selbst sei das Anstrengende. Heute weiss ich, dass etwas anderes viel mehr Energie kostet. Das Nachdenken. Das Abwägen. Der innere Dialog. Soll ich wirklich gehen? Bin ich heute nicht zu müde? Wäre morgen nicht der bessere Tag?
Genau dieser innere Widerstand kostet mich häufig mehr Energie als das Training selbst.
Deshalb ziehe ich heute einfach meine Laufschuhe an oder beginne mit dem Krafttraining. Mehr verlange ich in diesem Moment gar nicht von mir. Alles Weitere darf sich entwickeln.
Und genau dann passiert fast immer etwas Interessantes.
Sobald ich unterwegs bin oder mit dem Training begonnen habe, verschwindet der innere Widerstand. Ich höre auf, darüber nachzudenken, ob ich heute Lust habe. Ich konzentriere mich einfach auf den nächsten Schritt, die nächste Übung oder meinen Atem. Plötzlich fühlt sich das Training leichter an.
Nicht, weil es weniger anstrengend wäre. Sondern weil ich aufgehört habe, innerlich dagegen anzukämpfen.
Früher hätte ich dieses Gefühl wahrscheinlich einfach Disziplin genannt. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.
Vielleicht braucht es tatsächlich etwas Disziplin, um überhaupt anzufangen. Vielleicht ist es aber auch einfach eine Strategie, das eigene Gehirn zu überlisten und nicht jedem Gedanken sofort zu folgen. Ehrlich gesagt weiss ich das selbst nicht genau.
Was ich aber weiss: Das Gefühl, das nach den ersten Minuten entsteht, fühlt sich für mich nicht nach Disziplin an.
Ich denke, genau in diesem Moment beginnt Hingabe.
Aus dem inneren Kampf wird Akzeptanz. Ich bin ganz im Training und genau dadurch fühlt sich vieles leichter an.
Vielleicht ist das gar nicht nur beim Sport so. Vielleicht gilt es auch für andere Bereiche unseres Lebens. Oft kostet uns nicht die Aufgabe selbst die meiste Energie, sondern der Widerstand, den wir vorher in unserem Kopf aufbauen.
Genau deshalb glaube ich heute, dass wir uns manchmal auf das Falsche konzentrieren. Wir suchen nach mehr Motivation, mehr Willenskraft oder mehr Disziplin. Dabei wäre es oft hilfreicher, den ersten Schritt einfach kleiner zu machen und den inneren Widerstand gar nicht erst wachsen zu lassen. Nicht das perfekte Training zählt. Nicht die perfekte Ernährung. Sondern der Moment, in dem wir aufhören, mit uns selbst zu diskutieren und einfach beginnen. Vielleicht entstehen gute Gewohnheiten genau deshalb nicht durch Druck, sondern dadurch, dass wir ihnen immer wieder Raum geben. Irgendwann fühlen sie sich nicht mehr wie eine Pflicht an, sondern werden zu einem Teil unseres Alltags.
Mein Fazit heute
Heute bin ich der Überzeugung, dass gute Gewohnheiten aus mehreren Schritten entstehen.
Manchmal braucht es die Entscheidung, einfach anzufangen. Manchmal hilft dabei eine kleine Strategie, wie meine Fünf Minuten Regel oder der Gedanke, dass ich jederzeit wieder nach Hause gehen darf.
Doch sobald ich begonnen habe, passiert etwas, das ich lange nicht bewusst wahrgenommen habe.
Die Hingabe kommt oft von selbst.
Vielleicht ist Disziplin deshalb gar nicht das Endziel.
Vielleicht ist sie nur die Brücke.
Die Hingabe ist das, was danach kommt.
Wenn dich dieses Thema interessiert, empfehle ich dir auch meine Beiträge «Warum ich aufgehört habe, auf Motivation zu warten» und «Die 5 Minuten Regel, die mein Leben verändert hat». Beide ergänzen diesen Beitrag und vertiefen die Gedanken, die ich hier beschrieben habe.
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